Samstag, 13. Juni 2015

"Der Seidenfächer" von Lisa See



"Der Seidenfächer"
Lisa See
Historischer Roman
384 Seiten


Das Buch ist aktuell nicht als neues Taschenbuch erhältlich. Da schaut euch einfach mal in den Portalen um, in denen ihr gebraucht Bücher ergattern könnt.





Dieses Buch ist wirklich ein ganz besonderes Buch und es hat mich emotional schon sehr eingenommen.

Am Anfang des Buches treffen wir auf die nun 80 Jahre alte Lilie, die uns nun ihre Lebengeschichte erzählen möchte. Diese beginnt, als sie 5 Jahre alt war, was dann so 1828 rum sein müsste.

Lilie lebt in einem kleinen Dorf in China bei einer Bauernfamilie. Wir lernen die Familie kennen und auch die Ränge, die es in den Familien damals gab. Auch erfahren wir sehr schnell, dass Mädchen damals im Grunde nichts wert waren. Nur eine Last. Jungs waren als Kinder gern gesehen. Aber wenn ein Mädchen kam war der Ärger groß und die Frauen wurden teilweise auch dafür bestraft von ihren Männern. Starb ein Mädchen bei der Geburt, später oder sogar schon während der Schwangerschaft, war das kein Grund für Traurigkeit.

Lilie weiß, dass ihr bald die Füße gebunden werden sollen. Das hat man in China gemacht um die Frauen quasi ans Haus zu binden. Denn mit diesen Füßen konnten sie keine weiten Strecken laufen. Außerdem waren die Füße aber auch das wichtigste an einer Frau. um so schöner sie nachher aussahen und um so kleiner sie waren, um so mehr war die Frau wert.

Durch ein paar Probleme können Lilies Füße aber erst ein Jahr später gebunden werden, wovon ihre Familie nicht begeistert ist. Man prophezeit aber, dass sie dann sehr hübsche Füße bekommen wird und sehr wertvoll sein wird und in eine Familie mit gutem Stand verheiratet werden kann. Außerdem bekommt Lilie eine Weggefährtin, eine so genannte Laotong. Das hat nicht jedes Mädchen und ist etwas, worauf man stolz sein muss. Lilies Laotong wird Schneerose. Ein Mädchen aus gutem Hause. Von nun an, bis zum Ende ihres Lebens werden die beiden Gefährtinnen sein und jedes Geheimnis miteinander teilen.

Als beide Mädchen 7 sind erleben wir im Buch dann den grausamen Ablauf des Füße binden. Und ich sags euch...es ist wirklich grausam! Was das für Schmerzen sein müssen! Mich haben diese Seiten wirklich sehr berührt, denn es ist ja nun mal keine ausgedachte Story, sondern beruht alles auf der Realität.

Wir begleiten die beiden Mädchen durch ihr Leben. Das Füße binden, die Vorbereitungen auf die Heirat, das neue Leben bei den Ehemännern und und und. Und alles ist einfach nur ganz schrecklich. Natürlich hatten die beiden Mädchen auch schöne Tage in ihrem Leben. Sie wissen aber eben auch, dass es nun mal so ist, wie es ist, Eine Frau MUSS das und das tun. Könnt ihr euch das vorstellen? So wie wir jetzt leben? Das man als Mädchen/Frau einfach gar nix wert ist? Das man nur dafür da ist um Jungs zu gebären? Einfach erschreckend. Die ganze Geschichte war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Man leidet mit den Mädchen so mit und dann freut man sich mit ihnen in Situationen, die für mich heute wirklich grausam wären, aber für dort einfach schon toll waren. Wisst ihr wie ich meine?

Jedenfalls hat mich diese Geschichte sehr bewegt und beschäftigt. Trotz den vielen schrecklichen Dingen bereue ich nicht, dieses Buch gelesen zu haben. Es ist einfach auch wichtig, finde ich, zu wissen, wie es früher war. Und das das, was wir heute haben wirklich ein großes Glück ist.


Fazit und Bewertung:

Erst wollte ich dieses Buch gar nicht bewerten, weil es ja quasi eine Lebensgeschichte ist. Natürlich keine Biografie, aber man weiß ja, dass es damals so war und deswegen ist es für mich eine Lebensgeschichte. Und ein Leben, finde ich, bewertet man nicht. Da es aber hier ja doch etwas anders ist, bekommt "Der Seidenfächer" von mir




Ich kann das Buch auch auf jeden Fall weiter empfehlen. Aber es ist wirklich kein fröhlicher Roman.

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